Rückfall

Wieder war ich shoppen! Ich gebe es unumwunden zu! Ich komme ohne scheinbar nicht klar.

Ich will mir ein neues Image verpassen, weiblicher werden. Nicht mehr so burschikos wirken. Und ich liebe das Gefühl von Seide auf meiner Haut. Die ist leider meist teuer. Doch jetzt habe ich die Ladenkette „Pick & Weight“ für mich entdeckt. Die verkaufen Second Hand Mode zu unterschiedlich farbig gekennzeichneten Preisen. Überall stehen Waagen herum, in die man das gewünschte Teil hineinlegt und dann die Farbe eingibt. Und schon wird der Preis angezeigt. Seide wiegt ja zum Glück kaum was. So habe ich einen blauen Faltenrock und eine rote Bluse mit Schluppe und 80er Schulterpolstern gefunden. Das passt beides super zu meiner „Tribute to the 80th“ CD, die ich dieses Jahr mit meiner Gesangslehrerin aufnehmen will.

Habe ich eigentlich schon mal erzählt, dass ich 2004 laut gesungen habe in der Psychiatrie? Habe gerade noch mal in meinen alten Beiträgen danach gesucht und erstmal nichts gefunden. Ich soll laut „I’ll always love you“ von Whitney Houston gesungen haben und jeder Ton stimmte. Das war das einzig Positive, was ich je aus meinen Psychosen gezogen habe. Mein Gesangsunterricht! Jedes Jahr seit 2004 lasse ich mich professionell fotografieren und nehme eine CD mit meiner Lehrerin auf. Es ist schön zu hören, wie ich mich in all den Jahren weiterentwickelt habe. Und es ist ein traditionelles Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte geworden. Bis heute weiß ich allerdings nicht, ob sie es sich wirklich anhören.

Erst an meinem 40ste nGeburtstag habe ich mich getraut, vor meinen Freundinnen zu singen. Ich bin auch nicht für einen Chor geeignet, weil ich mich so schnell ablenken lasse und dann meine Tonlage nicht halten kann. Und jetzt träume ich davon, meine Freundinnen regelmäßig einzuladen und ihnen etwas zu singen. Auch wenn es nur ein Song ist.

Mittlerweile habe ich auch einen VHS-Kurs im Songtexten belegt und habe 2016 eine komplett eigene CD heraus gebracht. Ich habe viele Songs mit „Garage Band“ von Apple komponiert. Die Texte fielen mir oft spontan ein. Oder mitten in der Nacht. Früh morgens. Unter der Dusche. Ich hab mir selbst einen Song zum 40sten Geburtstag geschrieben.

Und gerade will ich meinem Sohn ein „Haushaltsbüchlein“ schreiben und bei seinem richtigen Auszug mitgeben. Aber ich komme kaum zum Schreiben.

In vielem bin ich eigentlich sehr diszipliniert, aber wie schon mal erwähnt hat mein Mann immer gleich Panik, wenn ich mal längere Texte schreibe, dass ich einen Rückfall haben könnte. Ewig gleiche Leier. Und meine permanente Schreibblockade.

Aber genug für heute!

Ich wünsche euch ein nach diesem erneuten Sturm der letzten Tage ein ruhiges Wochenende mit vielen schönen Momente in traulicher Einsamkeit oder mit lieben Menschen um euch herum!

Eure Coco

 

 

 

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Neustart

Hallo zusammen!

Bitte entschuldigt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Aber es war durch den bevorstehenden Auszug meines Sohnes so viel zu tun, dass ich nicht mehr zum Schreiben gekommen bin.

Weihnachten war dieses Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit der Freundin meines Sohnes. Und es war wunderschön eine Frau mehr am Tisch meiner Mutter zu haben. Ich mag „meine Schwiegertochter in spe“ sehr, sehr gerne. Sie ist teilweise noch recht unsicher im Gegensatz zu meinem Sohn, der mit seinen 17 Jahren schon mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht. Er hat sich einen Sprinter von Robben & Wientjes besorgt und seine Kumpels engagiert, um ihm beim Transport seiner ganzen Umzugskartons zu helfen. Er nimmt ja keine Möbel mit in die neue Wohnung. Billy-Regale von IKEA überleben einen Ab- und wieder Aufbau ja meist nicht gut, sein Schreibtisch ist mittlerweile zu klein und sein Hochbett passt auch nicht in die neue Wohnung. Netterweise bekam er einiges an Geld zum Abitur geschenkt. Das kann er nun für neue Möbel ausgeben. Und das Hochbett bleibt bei uns als Gästebett. Am selben Tag, als all die Umzugskartons aus dem Zimmer kamen, begannen mein Mann und ich die verbleibenden 4 Billy-Regale mit unseren Sachen zu füllen. Denn wir wollen das Wohnzimmer großzügiger gestalten. Und das Zimmer meines Sohnes wird mein neues Arbeitszimmer werden. Dort kann ich dann ungestört schreiben, basteln und arbeiten.

Mein Mann wird nämlich immer nervös, wenn er mich längere Texte am Computer schreiben hört. Denn in meinen Psychosen schrieb ich auch immer die wildesten Gedanken nieder. Ich wollte all diese Stimmen aus meinem Kopf haben und mit dem schriftlichen festhalten all der assoziativen Gedanken Ruhe und Klarheit in meinem Geist schaffen. Sinnlos!

Ich schrieb all die Gedanken an meine Kindheit auf. Aber auch diese Ketten von Wort-Bedeutungen. Zum Beispiel: Organismus – Organ – Egoismus – Orgasmus- Ich muss – Organ ist muss – Organ-Mus (also wie „Pflaumenmus“). Furchtbar! Ich hab all diese Aufzeichnungen behalten. Vielleicht nützen sie einem Arzt oder Psychologen ja mal was? Wer weiß…

Ich werde von vielen gefragt, wie es für mich wohl sein wird, wenn mein Sohn richtig ausgezogen ist. Noch wohnt er – mehr oder weniger – bei uns. Er hat noch kein Internet in der neuen Wohnung und will erst umziehen, wenn die Telekom alles in Betrieb genommen hat. Also ca. Ende Januar. Ich kann nur sagen, dass mir die Umgestaltung der Wohnung sehr dabei hilft, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Weniger Mutter sein, mehr Ehefrau und Freundin und Sekretärin. Aber vor allem: Ich selbst sein!

Diese Woche war ich seit langem mal wieder spontan mit meiner Freundin A. im Kino. Ihr war ihre eigentliche Verabredung krank geworden. Da rief sie mich an, denn ich wollte den Film sowieso mit ihr zusammen sehen. Der Film selbst („Meine schöne innere Sonne“) fanden wir enttäuschend. Aber die Tatsache, dass ich ohne Rücksicht auf andere einfach zusagen konnte, war unglaublich befreiend!

Dieses Jahr will ich viele schöne Momente mit meinem Mann erleben. Die Wohnung wieder zu einem „Nest für 2“ gestalten. Ich will weniger einkaufen und endlich anfangen, mit den Dingen, die ich bereits gekauft habe, zu arbeiten. Ich habe ein Gleichnis gelesen von einem Maler, der statt endlich anzufangen zu malen, immer mehr hochwertige Farben, Pinsel und Leinwände kauft und so nie zu seinem eigentlichen Ziel kommt: Endlich wunderschöne Bilder zu malen. Darin habe ich mich errötend wiedererkannt.

Ich habe meine Stifte, Papierbögen und all das Bastelmaterial endlich aus meinen übervollen Schubladen geholt und mit Hilfe von Muji-Akrylaufbewahrungen mit jeweils 5 Schubladen in einem Kasten so geordnet, dass ich endlich anfangen kann mit meinem neuen Hobby: Handlettering. Ich habe mir Bücher aus der Bücherei ausgeliehen und Zeitschriften gekauft. Ständig theoretisches Wissen angesammelt, statt einfach selbst einen Stift und Papier zur Hand zu nehmen und anzufangen. Wie dumm ich doch war! Meine erste selbst gestaltete Klapp-Karte habe ich dann meiner Freundin V. geschickt. Sie ist zu Weihnachten in ihr eigenes, selbst gebautes Haus gezogen. Bin gespannt, wie sie die Karte findet!

Ich wünsche euch für das gerade neu begonnene Jahr viele solcher kleinen und großen Erfolgserlebnisse!

Eure Coco

 

 

Entspannungsversuche

Seit ich meinen Adventskalender von Lindt im Mini-Format habe, mache ich morgens eine spezielle Form von Mediation, die ich nach der berühmten „Rosinen-Methode“ praktiziere. Dabei wird ursprünglich sehr intensiv eine Rosine betrachtet, beschnuppert und zuletzt langsam und achtsam im Mund gekostet. Diese Methode habe ich aus meinem kleinen GU-Verlag Buch „Mini Meditationen“ von Ulrich Hoffmann. Darin ist diese kurze Meditation ausführlich beschrieben. Und diese habe ich nun in eine Meditation mit einer Schokoladen-Kugel von „Lindt“ verwandelt. Sie funktioniert folgendermaßen:

Ich sitze entspannt im Schneidersitz auf meinem dunkelroten, flauschigen IKEA-Teppich im Schlafzimmer und habe mein Meditationskissen (ein ziemlich festes Kopfkissen von Muji, das es so leider dort nicht mehr gibt) unter dem Hintern und lege meine Hände locker auf den Knien ab. Ich schließe die Augen und forme mit Zeige- und Ringfinger ein „O“. Das ist ein Mudra für Geduld. (Und die kann ich sehr gut gebrauchen! Denn bisher war meine Einstellung dazu immer „Lieber Gott, gib mir Geduld. SOFORT!“  : /  )  Ich konzentriere mich für einige Atemzüge voll darauf, meinen Geist zu leeren. Was mir aufgrund des oben genannten Mottos noch immer schwer fällt. Aber es geht jeden Tag ein bisschen besser.

Dann öffne ich die Augen wieder und hole die für diesen Tag hinterm Türchen des Kalenders vorgesehene Schoko-Kugel heraus. Heute war es zum Beispiel eine royalblaue Lindor-Kugel von ca. 2 cm Durchmesser. Ich betrachte als erstes die Verpackung der Kugel genauer. In einem weißen Oval erkenne ich den goldenen Schriftzug „Lindt“. Daneben ist winzig klein der Lindwurm – das Firmen-Wappen sozusagen- erkennbar. Gleichzeitig ragt aus dem Kopf des Wurms eine Art Kreuz – oder soll es ein riesiges Schwert sein ? – dem Drachen aus dem Kopf. Deshalb speit dieser auch Feuer. So als täte er den letzten Atemzug seines Lebens. Muss er mir deshalb jetzt Leid tun? Egal!                 Darunter ist eine feine Linie gezogen und die Sorte wird mir genannt: „Lindor“. Aufgrund der royalblauen Farbe weiß ich als Kennerin der Materie, dass es sich um die Sorte Feinherb handelt. Lecker! Auf der blauen Verpackung sehe ich auch noch die weiße, filigrane, aufgedruckte Spitze, die sich über die Kugel zieht. Ich entschließe mich nun, die Schoko-Kugel aus zu packen. Bei der Faltung des Objekts lässt sich die Folie leicht lösen. Innen wird sichtbar, dass es sich um bedruckte Aluminiumfolie handelt. Die Folie macht ein charakteristisch  raschelndes Geräusch, je weiter ich die Kugel auswickele. Die Folie fühlt sich mit ihren vielen kleinen Falten in der Hand fest und kratzig an. Ich forme aus ihr mit einer Hand einen kleinen Ball, was sie mit lautem Knistern über sich ergehen lässt. Dann werfe ich den Ball in den Mülleimer an meinem Schminktisch.  Nun wende ich mich dem schon leicht warm gewordenen Lindor-Kügelchen in meiner anderen Hand zu. Zwischen Daumen und Zeigefinger haltend, betrachte ich die Kugel erst genau. Es ziehen sich feine Linien von der Spitze der Kugel zum unteren Ende. Auch hier erkenne ich den Schriftzug „Lindt“ zweimal: Im oberen Teil der Kugel normal, darunter auf dem Kopf. Die Kugel beginnt bereits zu schmelzen, als ich anfange, an ihr zu riechen. Mit einem tiefen Atemzug inhaliere ich den intensiven Geruch von  – nun warmer – Schokolade. Süß. Leicht nussig. Ein Hauch von Vanille. Vielleicht auch Zimt? Eher nicht! Jedenfalls sehr verheißungsvoll! Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen! Ich schließe erneut die Augen und lege mir die Kugel nun behutsam auf die Zunge. Diese drückt die Kugel automatisch nach oben. Die Schokolade füllt sofort den Bereich meines Oberkiefers aus. Dort beginnt sie, sich im Zusammenspiel mit meinem Speichel langsam aufzulösen. Es ist ein zarter Brei von Füllung und Schokoladen-Hohlkörper, der sich bildet. Und die Aromen werden freigesetzt. Alles, was meine Nase schon geahnt hatte, läuft nun mit Bedacht meine Kehle hinunter: dunkle Nuancen von Kakaobohnen, Vanille, leichte Aromen von Haselnüssen. Und – was mich besonders erstaunt – ein plötzlich starker Geschmack von Salz. Ist das die spezielle Zutat Gerstenmalzextrakt, die sich hier Gehör bzw. Geschmack verschaffen will? Durch die sehr weiche Füllung ist der ganze  Zauber innerhalb weniger Minuten vorbei. Es bleibt ein Nachhall von allen genannten Geschmackserlebnissen zurück. Und das für die nächsten drei Minuten, in denen ich tief durch die Nase ein- und durch den leicht geöffneten Mund wieder ausatme, um nach diesem Erlebnis wieder zu mir zurück und somit zur Ruhe zu kommen. Am Ende jeder Art von Mediation mache ich noch Dehn-Übungen, da ich vor der Meditation immer fünf Minuten Yoga nach Bedarf mache. So starte ich derzeit deutlich entspannter in den Tag. Und die habe ich wirklich nötig!

Im Moment habe ich starke Konzentrationsstörungen und brauche anscheinend sehr viel Ruhe. Die ich mir momentan einfach auch nehme. Meinem Mann sei Dank! Denn er ist auf meine Arbeit in der Praxis selbst nicht so stark angewiesen. Daher arbeite ich derzeit einfach wieder von Zuhause aus. Er sagt immer wieder zu mir: „Schatz, setz‘ dich nicht selbst so unter Druck! Noch ist unser Sohn nicht ausgezogen. Und ich weiß, dass du mit Doppelbelastung nicht gut klar kommst!“ Ich liebe ihn dafür! Tausend Dank, mein Lieber! „Du Guter!“ (Kleiner Loriot-Insider an dieser Stelle, ich gebe es zu!)

Ich wünsche euch tausende Geschmacksexplosionen zur Vorweihnachtszeit und einen entspannten 3. Advent!

Eure Coco

Erschöpfung

Hallo zusammen!

Ich kann nicht mehr! Ich habe heute mit gefühlter letzter Kraft die Weihnachtspost und die Päckchen an meine Tanten in der Pfalz und nahe des Westerwalds fertig gepackt. Aufgrund der äußeren Umstände war ich in zwei Chocolaterien einkaufen und habe nur eine kleine Tüte mit selbst gebackenen Keksen gefüllt. Normalerweise mache ich immer die Pralinen und Schokoladentafeln selbst mit meinen Silikon-Formen oder echten Hohlkörpern aus einem Pralinen-Online-Versandhandel. Aber das ist mir gerade alles zu viel!

Am Wochenende habe ich zusammen mit meinem Mann drei Amazon-Prime-Filme geguckt. Gestern habe ich bis zwölf Uhr geschlafen und es danach natürlich nicht zur Arbeit geschafft. Ich habe den ganzen Tag im Bett gelesen, mir eine Hühnersuppe gekocht und abends noch in der Badewanne gelegen. Ich hab‘ noch eine DVD geguckt (Hitchcocks „Spellbound“) und bin schlafen gegangen.

Heute war ich wieder bei meinem neuen Psychiater. Er und meine Betreuerin vom Netzwerk sind sich einig, dass es für mich wieder Zeit wäre für eine Psychotherapie. Drückt mir bitte die Daumen, dass meine langjährige Therapeutin noch einen Platz für mich offen hat!

Ich wünsche euch einen schönen, geruh- und erholsamen dritten Advent! Lasst euch vom ersten Schnee nicht die Stimmung vereisen!

Eure Coco

Weihnachtsstress

Hallo zusammen!

Mir geht der ganze Weihnachtshype in den Medien auf den Geist! Mir steht der Sinn nicht nach Besinnlichkeit, weil ich gerade meinen Sinn in dem Ganzen verloren zu haben scheine.

Wer feiert denn noch Weihnachten deshalb, weil Jesus geboren wurde? Ich habe sowieso ein gespaltenes Verhältnis zur Religion, seit ich die Stimme von Gott zu hören glaubte, wenn ich psychotisch war. Immer waren es religiöse Wahnvorstellungen, wenn ich Stimmen hörte. Beim ersten Mal sagte mir die Stimme, mein Sohn sei der neue Jesus und ich die neue Maria. Beim zweiten Mal hieß es immer noch ich sei gesegnet. Und beim dritten Ausbruch sollte ich die Bibel noch einmal neu schreiben aus der Sicht der Frau.

Wer weiß, vielleicht wäre ich zu Jesus‘ Zeiten dafür heilig gesprochen worden oder sowas. Im Nationalsozialismus hätte man mich sofort vergast. (Vielleicht hätte mich Hitler vorher noch schnell nach dem heiligen Gral gefragt?)  Und im neuen Jahrtausend muss man eben gegen sowas Tabletten nehmen und in Therapie gehen. Und das ist mir auch die liebste Variante.

Ich habe jetzt einen neuen Psychiater, der mir als erstes sagte, meine Quetiapin-Dosis sei mit 550mg aber sehr hoch. Ich traue mich aber nicht, aufgrund der Ereignisse der letzten Zeit  – zwei Todesfälle, Kind zieht aus und neuer Arbeitsbereich – jetzt schon zu reduzieren. Vielleicht nächstes Jahr im Sommer? Meine diesjährige Magenspiegelung war ja, wie schon berichtet (Siehe „Magen-Fotos“) sehr positiv. Mein Gastroenterologe wollte auch wissen, ob sich meine Psychose auch gebessert habe. Wegen der gleichbleibenden Tabletten-Einnahme konnte ich dazu gar nichts sagen. Ich hoffe aber still und heimlich wie er, dass es einen Zusammenhang zum besseren zwischen meinen beiden Krankheiten gibt und die Zöliakie endlich die ersehnte Erklärung für meine „Gehirnentgleisung“ ist.

Ich bekomme ja bisher keine Antworten von euch Lesern dort draußen zu meiner Frage, ob es welche unter euch gibt, denen es ähnlich geht wie mir? Dabei würde es mich sehr freuen! Traut euch ruhig, mich zu fragen! Ich beiße nicht!  ; )

Ich  wünsche euch eine entspannte Adventszeit mit euren Lieben an eurer Seite oder selbst gewählter, erholsamer Einsamkeit!

Eure Coco

 

 

 

 

Magen-Fotos

Ich bin SO HAPPY!!!

Ich war heute zu meiner alljährlichen Magenspiegelung und hatte wie letztes Jahr total Angst, dass mir noch zu viele Fehler unterlaufen in meiner Gluten-freien-Diät und sich mein Darm noch immer nicht regeneriert haben könnte.

Aber weit gefehlt! Es sieht für zwei ein halb Jahre glutenfreies Essen super aus! Man kann schon erkennen, wie sich die Darmzotten neu bilden.

Uff! Erleichterung auf der ganzen Linie!

Weihnachten kann kommen!

Ich wünsche euch allen einen schönen Feierabend!

Eure Coco

 

 

Kaufrausch

Ja, ich muss es leider zugeben! Ich kann mit Geld nicht gut umgehen! Wenn ein Tag wie heute – dieser „Black Friday“ mit 20 % auf allem – in allen Shops lockt, dann kann ich nicht lange widerstehen. Ich habe wenigstens noch online geshoppt, so dass ich die Sachen ohne Gesichtsverlust wieder zurück schicken kann. Aber dieser Kaufrausch war nötig, denn mir geht es richtig dreckig!

Der Vorweihnachtsstress und die neue Arbeit haben mich schon wieder so fest im Griff, dass ich nicht mehr zu den Dingen komme, die mir gut tun. Wie zum Sport oder zur Massage gehen. Wenigstens treffe ich mich morgen zum Kino. Aber ich wollte auch die ersten Zimtsterne und Zuckerkringel backen. Gestern war ich bis 23 Uhr damit beschäftigt, meinem Mann wie jedes Jahr einen Adventskalender zu basteln.

Aber gestern hatte ich auch ein Erstgespräch bei einem potentiellen neuen Psychiater. Das hat mich wieder so aufgewühlt, dass ich nicht einschlafen, geschweige denn durchschlafen konnte. Dauernd schreckte ich auf, weil ich meinte, die Kerzen im Wohnzimmer nicht gelöscht zu haben und schon Brandgeruch in der Nase zu haben. Alles Einbildung. Sicher! Wir haben einen Rauchmelder installiert. Aber im Halbschlaf lässt sich sowas noch viel schlechter unterdrücken als im wachen Zustand.

Ich sollte mir mehr Ruhe gönnen!

Mittwoch haben mein Mann und ich endlich die Trauerpost meines Schwiegervaters an die Verwandtschaft in der Altmark geschickt. Das hat mich doch auch noch mal ganz schön mitgenommen. Wir haben gleichzeitig eine Traueranzeige in der Zeitung seiner alten Heimat geschaltet. Das sind die Dinge, die man vor Weihnachten am wenigsten machen möchte. Die aber getan werden müssen, um abschließen zu können. Die Trauerfeier findet auch noch Anfang Dezember statt.

Und wenn es mir schlecht geht, dann sitze ich oftmals an diesem PC und surfe bei H & M und anderen Seiten herum. Finden tue ich immer etwas, was ich noch „unbedingt brauche zu diesem Rock.“ Oder ich denke: „Ich könnte noch mehr Sport-Outfíts gebrauchen, wenn ich jetzt öfter ins Fitnessstudio gehen will!“ Dabei liegen nur noch mehr Klamotten in meinen Schubladen herum und ich liege letztlich doch nur wieder auf der Couch! Scheiß innerer Schweinehund bei diesem Wetter! (Aber das Thema hatte ich ja schon mal an anderer Stelle zur Genüge.)

Zurück zu meinem Kaufrausch: Bei meinen Eltern war es früher so üblich, dass die kleine Coco, wenn es ihr mal nicht gut ging, immer mit Geschenken überhäuft wurde, die ihr die Liebe ihrer Eltern ausdrücken sollten. Denn Zeit hatten sie ja meist wenig für mich. Weil sie ja so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt waren. Außerdem wurde bei uns Zuhause nicht über Geld gesprochen. Frei nach dem Motto: „Geld hat man, darüber spricht man nicht!“ Mein Vater ging jeden Tag einkaufen ohne Einkaufszettel und kam mit mindestens 6 vollen Leinen-Beuteln vom Supermarkt wieder nach Hause. Wobei er diese Leinen-Beutel auch nie von Zuhause mitnahm, sondern jedes mal neue kaufte. Es war schon „messihaft“!

Wir hatten eine Schublade voll mit Klebestiften nach seinem Tod gefunden, von denen nur noch vier wirklich benutzbar waren. Lebensmittel kaufte er ebenso im Überfluss. Meine Eltern hatten auch keine Probleme damit, Essen wegzuwerfen. Ich kann das bis heute nicht und kaufe diesbezüglich nur nach Bedarf. Meine Mutter muss jedenfalls vieles in ihrem Leben nicht mehr nachkaufen, wie Druckpapier oder – wofür sie jetzt vielleicht der ein oder andere beneiden könnte – Glühbirnen. Meine Mutter ist heute noch mit der Auflösung all dieser Hinterlassenschaften beschäftigt. Denn mein Vater hat natürlich auch nie ausgemistet. Das war ebenfalls eines der Streitereien zwischen meinen Eltern. Meine Mutter forderte ihn auf, Regale leer zu räumen für ihr Unterrichtsmaterial. Dann sollte meine Mutter erstmal das alte Material wegräumen, wozu sie – war ja klar – aber auch nicht bereit war. Der Hund der sich in den Schwanz beißt!

Stattdessen kam mein Vater auf die Idee, neue Räume anzumieten, um dort das überflüssige Zeug zu lagern. Leider nicht nach dem Prinzip, das ich mal in einer Zeitschrift gelesen hatte zum Thema „Aufräumen“: „Was Sie ein Jahr lang nicht gebraucht haben, kann dann auch weg!“ Stattdessen kam es zu einem Extra-Keller, einer Extra-Garage und noch einer neuen Eigentumswohnung, in die dann zum Glück mein Schwiegervater zog, sonst wäre die auch voll gestellt worden.

Aber ich schweife schon wieder von mir selbst weg zu meinen Eltern. Dabei will ich mit über 40 langsam mal von der Schiene: „Meine Eltern sind an allem Schuld!“ wegkommen und wieder mehr bei mir bleiben. Aber das ist, wie ihr seht, verdammt schwer. Also ich war bei dem Punkt „Geschenke kompensieren fehlende Zuwendung“.

Und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich derzeit auch einen riesigen Mangel an Zuwendung. Unter der Woche bin ich mit mir allein. Mein Sohn ist praktisch aus dem Haus. Noch wohnt er zwar hier, aber das nur noch sporadisch, denn meist ist er bei seiner Freundin oder kommt und geht so spät bzw. so früh, dass ich ihn kaum noch zu Gesicht bekomme. Meine beste Freundin ist nicht mehr da, mit der ich immer über all meine Probleme zu jeder Zeit sprechen konnte. Und bei meinen verbliebenen Freundinnen war es immer anders. Bei A. höre ich mir in erster Linie ihre Probleme an, die wirklich deutlich schlimmer sind als meine. Da fühle ich mich dann immer von meinen eigenen so abgelenkt, dass ich danach immer nur mit dem Gedanken aus ihrer  Tür trete: „Mir geht’s eigentlich echt gut!“, was an bestimmten Tagen auch schon helfen kann. Aber eben auch nicht immer. Und weil sie noch ein kleines Kind hat, mag ich sie auch nicht dauernd abends anrufen.

Meine andere Freundin ist gleichzeitig meine Gesangslehrerin. Ich sehe sie regelmäßig einmal die Woche. Wir reden auch wirklich über alles. Sie hat auch zwei Kinder. Eines davon ist 10. Und sie ist freischaffende Musikerin und Yoga-Lehrerin und hat abends auch meist wenig Zeit. Und meine Mutter ist auch keine wirkliche Hilfe in manchen Fragen. Wenigstens hat sie sich den Satz:“ Ach, Cocolein, du schaffst das schon!“ abgewöhnt, denn damit war für sie das Thema beendet und Details oder konkrete Fragen waren ihr immer zu viel. Doch ich muss zugeben, dass sich das schon gebessert hat, seit sie zur Meditation geht.

Oh je! Das klingt aber bis hierhin auch alles nach triefendem Selbstmitleid, oder?

Was macht ihr denn, um euch von schlechten Gefühlen abzulenken?

Vielleicht sollte ich mehr Schreiben. Also nicht nur hier, sondern auch wieder mehr Tagebuch. Denn ein Blog soll ja eigentlich nicht zur „Kotz-Tüte“ verkommen, oder? Also einerseits habe ich Hemmungen und andererseits ist es dieser Reiz der Anonymität. Das gleiche Phänomen wie bei Millionen anderer Internet-User, nicht wahr?

Aber es tut auch verdammt gut! Und es ordnet wirklich meine Gedanken!

Im Grunde war dieser Beitrag wie dieses „therapeutische Schreiben“, von dem ich in einem Buch gelesen habe. Man soll eine Stunde lang alles handschriftlich aufschreiben, was einem durch den Kopf geht, ohne dabei den Stift abzusetzen. Okay, in meinem Fall ist es hier „geschummelt“, weil ich ja dabei am PC sitze.

Ach ja! Genug gejammert für heute!

Ich wünsche euch ein schönes letztes November-Wochenende ohne Stress und Hektik! Und tut euch mal wieder was Gutes!

Eure Coco