Schlaflose Nacht

Große Ernüchterung setzt ein nach all der Euphorie!

Mein erster Beratungstermin im Arbeitsamt war eine völlige Katastrophe. Ich hatte mir alles im Internet angesehen, was ich machen will: Der Beruf heißt ‚Sozialtherapeut‘ und kommt der von der mir beabsichtigten Ex-In-Ausbildung am nächsten. Ich habe sogar einen Eignungstest auf arbeitsagentur.de absolviert, der mich für sehr gut geeignet hielt. Stolz präsentierte ich meinem Berater im Amt Mitte meine Unterlagen und er erklärte mir: “ Das ist ja dann eher ein Studium und keine Ausbildung. Wir finanzieren aber eigentlich nur Umschulungen, wenn danach ein Sozialversicherungsfähiger Job bei heraus kommt.“ Er grinste verschämt aufgrund meiner soeben entgleisten Gesichtszüge. „Bitte?“ konnte ich nur noch entgeistert stammeln. „Das klingt ja sehr seltsam, wenn ich bedenke, wie viele Informationen in ihrem Berufsinformationszentrum zum Thema Studium ausliegen!“ Er wurde wenigstens leicht rot nach dieser Bemerkung.“Ja, wir beraten vielfältig, aber finanzieren eben nicht alles.“ war seine Antwort.

Nun muss ich mir zu meiner Ausbildung den entsprechenden Träger suchen und möglichst einen, der die Kurse mit Bildungsgutschein anbietet. Und dann kann ich auch erst ein psychologisches Gutachten bekommen, nach dem ich beurteilt und entweder für geeignet gehalten werde oder eben nicht. Und gegebenenfalls an einer speziellen Schulung oder Förderung teilnehmen.

Am liebsten hätte der Mann vom Amt es gesehen, wenn ich einfach die beruflich verpasste Qualifikation in meinem Sekretärinnen-Job nachholen würde statt „auf Staatskosten“ was Neues lernen zu wollen. Schönen Dank auch!

Nur weil ich ja was Neues machen will, habe ich mich ja arbeitslos gemeldet. Und dann so eine Pleite! Ich werde diese Nacht wohl mein Bedarfsmedikament brauchen!

Ich wünsche euch allen entweder eine geruhsame Nacht oder einen schönen Tag, je nachdem wann ihr meine Zeilen gelesen habt!

Eure Coco

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Alte Muster

Es ist mir schon wieder passiert! Ich hab mich gerade von meinem Mann getrennt, weil er im Grunde nie für mich da war und ich unseren Sohn quasi allein großgezogen habe.

Nun gibt es da den anderen Mann, in den ich mich heftig verliebt habe. Und schon mache ich mich wieder von ihm abhängig, obwohl ich doch eigentlich lernen wollte- und noch immer will – selbst klarzukommen.

Ich bin wütend auf ihn! Doch noch viel wütender auf mich selbst.

Wieso bin ich schon wieder in die Beziehungsfalle getappt? Dabei haben wir eigentlich beide gesagt, dass wir keine Beziehung wollen.

Doch nun stehen seine Sachen in meinem Bad, aber der Kerl dazu hat eigentlich keine Zeit mehr für mich.

Jetzt ist Hochsaison für seine Rikscha. Und Tango tanzt er im Grunde auch lieber mit Frauen, die das schon können.

Ich bräuchte seine Hilfe in meiner neuen Wohnung, weil Löcher bohren kein wirkliches Talent von mir ist. Aber er ist da im Grunde auch nicht für zu haben. Außerdem ist sein Terminkalender voll mit wahrscheinlich für ihn viel interessanteren Menschen als mir.

Ja, ich wohne jetzt im spießigen Reinickendorf und fühle mich dort zuhause! Und ich bin nicht mehr die Frau eines Zahnarztes. Ich bin frei und somit uninteressant, weil eine potentielle Belastung. Er hatte mich schneller erobert als gedacht. Und nun bin ich langweilig geworden.

Er braucht mich nicht!

Aber ich ihn verdammt noch mal!

Scheiße verdammte!

Wieso schaffe ich es nicht ohne Mann an meiner Seite? Dabei bin ich doch zu so viel mehr fähig als ich dachte.

Doch jetzt überkommt mich immer öfter die Angst, ob ich das wirklich alles so schaffen kann alleine. Zweifel überkommen mich vor allem kurz vorm Einschlafen.

Ich bin glücklich auf der einen Seite, endlich meine eigene Wohnung nach meinem Geschmack einrichten zu können. Andererseits war der Schock doch groß, als mein Bescheid vom Arbeitsamt kam. Ich bekomme zukünftig monatlich nur 450,-€. Das wird hart!

Morgen hab ich mein erstes Beratungsgespräch beim Arbeitsamt. Ich hoffe, ich kann noch einige Dinge vom Amt zahlen lassen, um meine Ausgaben zu minimieren.

Das Abenteuer „arbeitsloser Single“ beginnt!

Eure Coco

Die Poesie von Pappel-Samen

Von meinem neuen Balkon aus beobachte ich gerade ein Ballet. Weißer Sommer-Schnee, den der Wind umher wirbelt. Ein leiser, zarter Tanz zum Gesang der Vögel. Die Blätter der Bäume drumherum klatschen entzückt „Bravo“.

Ach könnte ich doch auch nur so gelassen durch die Welt schweben wie diese Pappel-Samen.

Und schon sind sie fort!

An anderen Orten zu Boden gesunken, um neue Bäume zu werden.

Versagensängste

Hallo zusammen!

Hier sitze ich nun in meiner schönen neuen 2-Zimmer-Wohnung mit Badewanne und Balkon und spüre plötzlich diese Angst. Ob ich es wirklich schaffe, eine Umschulung durchzuziehen? Ob ich nicht doch schon wieder viel zu abhängig von einem neuen Mann bin? Schaffe ich es überhaupt allein?

Gestern habe ich mir in den Finger geschnitten bei der Herstellung meines Abendessens. Es tat nicht so weh, blutete aber stark. Ich machte erstmal ein Pflaster darum und drückte auf die Wunde, um die Blutung zu stillen. Doch es hörte nicht auf. Ich begann zu weinen wie ein kleines Kind. Und was tun Kinder, wenn sie sich verletzt haben? Sie rennen zur Mutter. Da meine auch meine direkte Nachbarin ist, tat ich es genau so wie früher und rief sie an. Sie kam mit Verbandszeug und blieb auch noch da, um mir zuzuhören und mich zu trösten.

Mein noch Mann und ich hatten am Mittwoch nachmittags ein erneutes Netzwerkgespräch in der Krisenpension wie schon drei Wochen zuvor. Aber diesmal war der Tonfall rauher. Mein Mann schlug verbal um sich.

Er hat ja jedes Recht dazu wütend, verletzt und gekränkt zu sein. Aber als es dann darum ging, was er eigentlich überhaupt an mir geliebt hätte, und ihm nur immer einfiel, was er nicht an mir liebte, da war einerseits mein Bauchgefühl der letzten Jahre bestätigt. Andererseits eine tiefe Verletzung. Weil ich es schon lange gespürt hatte, dass er für mich nichts mehr empfindet, dass mit Liebe zu bezeichnen wäre.

Und seit unserer Trennung geht es auch ihm deutlich besser. Er hat sein Übergewicht durch „Low-Carb-Diät“ in Angriff genommen und kommt plötzlich deutlich früher von der Praxis nach Hause. Er kann endlich allabendlich Rechnungen schreiben. Er geht wieder zum Chor und zum Stepp-Tanz. Und sagt von sich, er fühle sich wieder wie 35. Als er frisch nach Berlin gekommen war.

Es geht uns beiden deutlich besser ohne einander.

Ich habe es immer geahnt. Im Bauchhirn gespürt, dass wir füreinander mehr Last als Lust empfanden. Und ich tat den ersten Schritt. In die richtige Richtung.

Ich will nie mehr von einem Mann so abhängig sein, wie ich es von meinem Ex war. Und tue dennoch gerade dasselbe mit dem neuen Mann an meiner Seite. Wir sagen beide, dass wir keine Beziehung wollen, doch wir sind beide dabei geradewegs hinein zu rutschen.

Wir chatten täglich per WhatsApp oder telefonieren. Wir sehen uns regelmäßig alle 3-4 Tage. Er hilft mir, wo er nur kann: Beim Umzug, beim Ikea-Einkauf, beim Aufbau und der Befestigung der Möbel, beim Einrichten meines Telefon- und Internet-Anschlusses. Kurz: Er ist da, wenn ich ihn brauche. Im Gegensatz zu meinem Ex.

O. ist sowieso das genaue Gegenteil zu meinem Ex. Deshalb habe ich mich ja auch in ihn verliebt! Dunkler Typ, attraktiv, humorvoll, warmherzig, gefühlvoll, sinnlich, körperlich, sportlich. Er liest mir quasi jeden Wunsch von den Augen ab, ohne dass wir darüber reden müssten. Und er ist meinem Vater verdammt ähnlich.

Ich habe ihm bereits gesagt, dass ich ihn liebe. Er freut sich darüber, erwidert aber nichts. Und auch das kränkt mich. Dabei sollte ich mich freuen, weil ich so frei bin.

Aber wie frei tut mir wirklich gut? Kann ich das überhaupt: Allein sein? Ohne das Gefühl von Einsamkeit zu haben?

Gestern konnte ich es nicht. Ich fühlte mich plötzlich von niemandem geliebt, der männlichen Geschlechts ist. Selbst mein Sohn liebt mich jetzt sicherlich weniger bzw. anders wegen meiner Trennung von seinem Vater. Aber da war dann immer noch meine Mutter. Immerhin eine Person, die mich bedingungslos liebt. Egal was ich tue!

Ich wünsche euch allen eine Person, die euch so liebt, wie ihr seid!

Eure Coco

 

Umzug

Meine Fresse! Was hab ich doch für Zeug angesammelt in all den Jahren! 50 Umzugskartons! Aber kaum Möbel. Ein Sofa, ein Sessel mit Hocker und ein Schreibtisch mit entsprechendem Stuhl.

Mein Sohn überlässt mir dafür aber auch die Einrichtung seiner ehemaligen Wohnung: Ein Doppelbett, ein Kleiderschrank, ein Esstisch mit zwei Stühlen und ein halbes Billy-Regal. Sowie seinen Fernseher.

Ist doch schon ganz gut ausgestattet 😊!

Und heute Abend kommt mein neuer Freund zu mir, damit ich mit ihm auf meine neue Freiheit anstoßen kann.

Euch allen ein schönes Wochenende!

Eure Coco

Arm aber sexy

Dieser Wahlspruch des ehemaligen Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit trifft ab jetzt auch auf mich zu.

Seit dem 01.06.2018 bin ich offiziell arbeitslos gemeldet und befinde mich somit in den Mühlen des Arbeitsamts.

Ich möchte gerne eine Umschulung zur Sozialtherapeutin machen, da diese Berufsbezeichnung am ehesten zu meiner angestrebten Ex-In-Ausbildung passt, die wiederum nicht von der IHK und dem Arbeitsamt anerkannt wird.

Ich hab brav meinen Antrag auf Arbeitslosengeld im Internet abgeschlossen und abgeschickt.

Allerdings ist mir dabei ein Fehler unterlaufen, den ich erst wieder Morgen am Montag klären bzw. berichtigen kann.

Eine völlig neue Welt für mich. Ich empfinde es als großes Abenteuer in meinem neuen Leben als Single.

Ja, ich möchte nicht wieder von einer Beziehung in die nächste rutschen. Wie damals, als ich mit 19 meinen Mann kennen gelernt habe und von meinem schwierigen Elternhaus direkt zu ihm übergegangen bin.

Natürlich lebte ich zuerst allein in meiner 1-Zimmer-Wohnung, die meinem Mann aber immer zu kalt war. Deshalb trafen wir uns am Wochenende bei ihm Zuhause.

Als wir dann zusammen zogen, wollte er meine Möbel alle nicht mitnehmen, weil sie nicht zu seinem Einrichtungsstil passten. Nur der alte Schrank mit Blumen-Schnitzereien fand Einzug nach Mitte.

Und so blieb es all die Jahre zwischen uns so, dass meine Wünsche und Vorstellungen hinter seinen Zurückstecken mussten. Und ich hab es lange Zeit als unabänderlich hingenommen.

Glücksgefühle löste eigentlich nur noch mein Sohn und seine Erziehung in mir aus. Ich war und bin mit Leib und Seele Mutter!

Da ich ein Schlüsselkind war, wollte ich meinem Sohn eine Vollzeit-Mutter sein. Und steckte somit auch auf diesem Gebiet wieder meine Bedürfnisse weg.

Doch die Versuche in den letzten zwei Jahren, meinem Mann diesen Mangel an Anerkennung und Wertschätzung klar zu machen, schlugen alle fehl. Und dann kam eben mein Tanzpartner!

Ich wünsche euch, dass ihr es immer schaffen mögt, eure Wünsche und Bedürfnisse anderen gegenüber frei zu äußern. Mögen sie in Erfüllung gehen!

Eure Coco

Glückliche Fügung

Direkt nach der Krisenpension bin ich erstmal zurück zu meiner Mutter und dort in mein altes Zimmer gezogen.

Mein Sohn wohnt in der kleineren 2-Zimmer-Wohnung schräg gegenüber, die ebenfalls meiner Mutter gehört.

Und was soll ich euch sagen: Er erklärte mir, dass er doch (noch) mit dem Haushalt und dem allein leben nicht so gut zurecht kommt, wie erwartet.

Deshalb wird er wieder zurück zu meinem Mann ziehen und ich kann die Wohnung haben. Wie geil ist das denn?

Ich hab das Gefühl, als wäre meine verstorbene Freundin jetzt mein Schutzengel, der mein Glück in die richtige Richtung lenkt!

Von mir selbst aus hätte ich ihn nie danach zu fragen gewagt! Aber so nahm ich sein Angebot dankend an.

In diesen drei Wochen in der Krisenpension ist mir immer bewusster geworden, dass ich frei sein und niemanden gehören möchte, als mir selbst. Deshalb sagte ich meinem Mann, dass ich die Scheidung will.

Er fiel natürlich aus allen Wolken. Und stellte plötzlich unter Tränen fest, dass es die schönsten 22 Jahre seines Lebens gewesen sein. Davon merkte ich allerdings in den letzten 2-3 Jahren nicht mehr viel.

Der Auszug unseres Sohnes zeigte mir, dass ich nun frei von jeder Verantwortung für andere sein will. Und mein Mann litt unter dem fehlenden Gesprächspartner.

Mein Tanzpartner ist für mich nun zu einem „Katalysator“ geworden. Zu einem Absprungbrett in die Freiheit, um die ich meine allein lebenden Freundinnen immer beneidet habe.

Endlich eine eigene Wohnung, die ich einrichten kann wie ich möchte! Wo mir niemand mehr reinredet!

Und endlich kann ich die gelbe Farbe an die Wand bringen, die ich in meinem Zimmer in der alten Wohnung nicht verwenden konnte, weil mein Mann mich weiterhin (unbewusst?) kontrollierte. Immer, wenn er „sich nur einen Kuss abholen“ wollte, ging sein Blick automatisch zu meinem Computer-Bildschirm, um sich zu vergewissern, dass ich nicht wieder wildes Zeug schrieb.

In ca. 2 Wochen werde ich umziehen in meine eigenen 4 Wände!

Ich wünsche euch allen den Freiraum, den ihr braucht!

Eure Coco